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Treffen mit Frau Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks

Bonn, 06.11.2017


Montag, 6. November 2017: am Vormittag hat Frau Dr. Barbara Hendricks die 23. UN-Klimakonferenz in Bonn eröffnet. Nun sitzt sie mit uns in einem Konferenzraum des Bundesumweltministeriums bei Kaffee und Kuchen. Sie wirkt entspannt, offen und antwortet freundlich auf unsere Fragen.

Wir haben ihr eine Mappe mit Klimaschutz-Forderungen mitgebracht, welche von den Jugendlichen auf der Jugendklimakonferenz der Nordkirche erarbeitet wurden. Dankend nimmt sie die Mappe entgegen. Natürlich sei nicht alles daraus direkt umsetzbar, aber das Engagement junger Menschen für den Klimaschutz sei sehr wichtig, sagt sie uns.

Nach einer kurzen Vorstellung unserer Delegationsgruppe, haben wir die Zeit, ihr verschiedene Fragen zu stellen:

Frage: Auf der Jugendklimakonferenz vom 29.9.-3.10.17 haben wir uns mit vielen Jugendlichen aus den Ostseeanrainerstaaten getroffen, um uns über die Folgen des Klimawandels, besonders auf die Ostsee, auszutauschen. Außerdem ist die Verschmutzung der Meere durch die Schifffahrt ein großes Problem, es werden viele Schwefeloxide ausgestoßen. Durch das Auflaufen eines Frachters vor Langeoog sind wir knapp an einer Umweltkatastrophe vorbeigeschrammt, wenn Tonnen von Schweröl ins Meer ausgelaufen wären. Warum werden deutsche Schiffe immer noch mit Schweröl betrieben, gibt es da nicht ökologischere Alternativen?

Hendricks: Die Schifffahrt ist eine internationale Angelegenheit, für den Schutz der Meere müssen wir alle zusammenarbeiten. Ebenso wie bei Flugzeugen ist es zur Zeit noch schwer, auf fossile Energien ganz zu verzichten. Dennoch sehe ich da ein Potenzial, weil wir im Moment mehr Strom produzieren, als wir brauchen. Den überschüssigen Strom, der z.B. durch Windräder produziert wird, können wir in synthetischen Kraftstoffen speichern, die für das Klima und die Umwelt besser wären als Schweröl oder Diesel. Außerdem habe ich vor kurzem in der Nordsee Fischschutzzonen ausgewiesen, da besonders der Dorsch überfischt ist. Das stößt natürlich nicht immer auf Gegenliebe bei den Fischern.

Frage: Wie ist Ihre Rolle bei den COP?

Hendricks: Die Verhandlungen haben gestern begonnen. Es geht darum, das Abkommen von Paris in den Details auszuarbeiten, da wird manchmal sogar um Halbsätze gestritten. Die Länder kontrollieren sich gegenseitig in ihrem Vorankommen. Natürlich hat z.B. Tansania eine andere Ausgangslage, andere Ziele und Möglichkeiten als Deutschland. Hier muss eine Messmethode gefunden werden, die das vergleichbar macht.

Frage: Was passiert denn, wenn sich ein Land nicht an das Abkommen hält?

Hendricks: Es gibt auf weltweiter Ebene keine „Klimapolizei“. Das funktioniert nur nach dem „Shame and blame“- Prinzip. Die Staaten kontrollieren sich also gegenseitig. Sollte ein Land seine Klimaziele nicht einhalten, wird es von den anderen Staaten während den Klimakonferenzen „an den Pranger“ gestellt.

Frage: Auch die Entwicklungsländer und Schwellenländer haben ein Recht auf Industrialisierung. Wie können wir Ihnen helfen, dass sie nicht die gleichen Fehler, wie z.B. die ausschließliche Nutzung von fossilen Brennstoffen, begehen wie wir?

Hendricks: Die Industrialisierung begann in Deutschland mit der Dampflok. Inzwischen haben wir viel klimafreundlichere Alternativen als Kohle. In vielen Teilen Afrikas und in Indien gibt es z.B. kein flächendeckendes Stromnetz. Auch in Zukunft können diese Regionen ihren Strom dezentral beziehen, hier kommen die erneuerbaren Energien ins Spiel, z.B. Solarenergie, die auch schon viel genutzt wird. Deutschland hat außerdem weitere 50 Mio. Euro für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern (Anpassungsfond) bereitgestellt.

Frage: Es wird immer vom „2 Grad- Ziel“ gesprochen. Warum ist nicht mehr von 1,5 Grad die Rede? Ist dieses Ziel nicht mehr erreichbar?

Hendricks: Das Abkommen von Paris spricht von einer Temperatur „well below two degrees“. Die Zwei- Grad-. Grenze muss unbedingt eingehalten werden! Im Moment reichen unsere Beiträge dafür noch nicht aus, da würden wir bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich bei 3°C landen. Wir müssen anstreben, deutlich unter 2°C zu landen, da gerade Inselstaaten im Pazifik wie Kiribati, das nur 2m über dem Meeresspielgel liegt, durch den Klimawandel stark bedroht sind. Dafür müssen wir bis 2050 in allen Bereichen, ausgenommen der Tierhaltung in der Landwirtschaft, klimaneutral werden- was auch schon ein ehrgeiziges Ziel ist!

Eine Frage zur Landwirtschaft: Wie stehen Sie zu Glyphosat?

Hendricks:Ich habe mich klar dagegen ausgesprochen. Was ich sicher weiß, ist, dass Glyphosat ein Total- Herbizid ist, was alles Grün außer dem, was der Bauer möchte, kaputt macht. Dadurch ist die Artenvielfalt bedroht und für Umweltschutz und Artenvielfalt bin ich verantwortlich.

In der Regierung sind wir uns nicht einig, das Landwirtschaftsministerium und die Bundeskanzlerin sind dafür. Das bedeutet, auf der nächst höheren Ebene, in Brüssel, enthält sich Deutschland zu diesem Thema. Da dort nur die Zustimmungen gewertet werden, zählt die Enthaltung dann wie ein „Nein“.

Frage: Wir haben Samstag (4.11.17) zusammen mit 25.000 Menschen gegen Kohlekraftwerke demonstriert. Warum wird noch Energie aus Kohle produziert?

Hendricks: Wir könnten im Moment einen Teil der Kohlekraftwerke stilllegen, da wir eine Überversorgung haben. Allerdings müssen wir die Energieversorgung immer sicherstellen und man darf nicht vergessen, dass wir gleichzeitig aus der Atomenergie aussteigen. Zur Zeit wird noch darüber gestritten, wie schnell der Ausstieg gelingen soll. Wir werden in Zukunft immer weniger Strom aus Kohle gewinnen, aber bis es soweit ist, dass wir komplett aus der Kohle ausgestiegen sind, dauert es noch etwa 25 Jahre.

Nach knapp einer Stunde ist das Gespräch vorbei. Wir machen ein Gruppenbild und danken Frau Hendricks für das gute Gespräch, dann muss sie weiter. Auch wir machen uns auf den Weg zum nächsten Vortrag von Sabine Minninger (Brot für die Welt).

Foto: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.  @BMUB_Susie-Knoll

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