Drucken
Empfehlen
Sitemap
Impressum
Home
Sie befinden sich hier:  Home > Jugendklimanetzwerk

Die Jugend macht Druck und das ist gut so

03.10.2019

120 Jugendklimakonferenz-Teilnehmende im Klimatalk mit Minister Jan Philipp Albrecht und Landtagsabgeordneten.

Foto (von rechts): Vincent Schlotfeld (Fridays for Future) mit Mikrofon, Dirk Notz (Max-Planck-Institut für Meteorologie), Kirstin Metzner (SPD), Tobias von der Heide (CDU), Christopher Vogt (FDP), Umwelt-Minister Jan Philipp Albrecht (Grüne), Konferenzteilnehmerin Ann-Kathrein Gräning und Moderatorin Gesa Grandt (BDKJ - SH).

Blick über Publikum hinweg auf eine Diskussionsrunde. Ein junger Mann spricht in ein Mikrofon.

Zur 4ten Jugendklimakonferenz (02.-06. Oktober 2019) der Nordkirche konfrontierten heute (03. Oktober 2019) in der Kunsthalle zu Kiel die Konferenzteilnehmer die landespolitisch Verantwortlichen mit Fragen und Forderungen zur politischen Umsetzung von Klimamaßnahmen. „Wie kann es sein, dass die Tonne CO2 im aktuell erarbeiteten Klimapakt nur 10 Euro kosten soll, wo jeder weiß, dass dies gar nichts ändert?“ „Warum handelt die Politik nicht, wenn alle wissen, dass vielen auf der Welt das Wasser bereits bis zum Hals steht?“ und „Wo ist das Christliche, das gesellschaftliche Verantwortung tragende,  in der Christlich Demokratischen Union?“  Auf diese und etliche weitere Fragen antworteten die anwesenden Politiker erstaunlich ehrlich und offen.

Foto: Teilnehmende der 4ten Jugendklimakonferenz der Nordkirche.

Eine Gruppe mit zahlreichen, meist jungen Menschen, vor einem Banner mit der Aufschrift: Jugendklimakonferenz. Im Hintergrund die weißen Segel mehrerer Schiffe.

Jan Philipp Albrecht, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung auf die Frage, warum alternative Energien nicht vehementer gefördert werden, rechnet vor, dass Schleswig Holstein bereits 200% des eigenen Bedarfes an Energie produziert. „Bundespolitische Versäumnisse der Vergangenheit holen uns hier ein. Notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz haben wir bereits vor 30 Jahren gefordert, doch damals wurde es kaum von jemandem ernst genommen. Die Erschließung der Stromtrassen wurde lange Zeit nicht ausreichend verfolgt. Wir versuchen seit Jahren, den Strom bundesweit zu verteilen und werden dieses Ziel auch nicht aus den Augen verlieren“, so der Minister.

„Eine CO2-Abgabe in Höhe von 10 Euro pro Tonne CO2 ist nicht einmal im Ansatz ausreichend“, so Tobias von der Heide (CDU), Mitglied des Landtags und Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises Bildung, der sich offen zu seinem christlichem Glauben bekannte. „Selbst die Ökonomen der US-Öl-Lobby verlangen eine Verteuerung der Tonne CO2 auf 40 US-Dollar“, so von der Heide weiter. „Wir versuchen darauf aus dem Land in den Bund so gut wie möglich Einfluss zu nehmen. Die Werkzeuge bestehen aus der Kooperation von Wissenschaft, Politik und Ökonomen des Weltwirtschaftsinstitutes und komplexen Wegen vieler Beteiligter, die nach einer langfristig auch ökonomisch tragbaren Lösung suchen.“

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Kirstin Metzner wurde mit der Parteinamensgebung konfrontiert: „Was ist sozial gerecht an der Erhöhung der Pendlerpauschale, die nur Menschen zu Gute kommt, deren Einkommen so hoch ist, dass sie es durch den Lohnsteuerausgleich wieder zurückfordern können? Und warum kann Deutschland nicht Frankreich folgen, wo es Supermärkten untersagt ist, unverkauftes Essen zu vernichten?“ Metzner, Mitglied im Wirtschaftsausschuss sowie Umwelt und Agrarausschuss versicherte: „Diese Forderung, keine Nahrungsmittelressourcen mehr unnötig zu belasten ist im derzeit entwickelten Klimapakt bereits enthalten.“ Und weiter „ Die Pendlerpauschale sichert für viele auf dem Land Lebenden ihren Job und ihre Existenz“.

Beim ökonomischen Hintergrund zeigten die mit ampelfarbenen Karten ausgestatteten Jugendlichen klar rot. Fit in Klimafragen wird hier geschlossene Einigkeit deutlich: Keiner glaubt noch daran, auf Freiwilligkeit und Mitwirken ausgerichteten Klimaarrangements mit der Wirtschaft erfolgreich treffen zu können. Die jungen Klima-Aktivisten reagieren mit fassungslosem Kopfschütteln auf die Stellungnahmen der Politiker.

Dirk Notz, Klimawissenschaftler und Leiter der Forschungsgruppe „Meereis im Erdsystem“ am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, der auf der Konferenz bereits am Vortag über die in den letzten 30 Jahren um 70% reduzierte Eismasse des Nordpolarmeeres referierte, bestätigt die Komplexität der erforderlichen Maßnahmen und ist sich in diesem Punkt einig mit Christopher Vogt (FDP): „Wir müssen die schnellen Lösungen in der Gesellschaft suchen, Bewusstsein schaffen, dass jeder Vorteile, auch finanzieller Art, bei der Einsparung von CO2 hat.“

Mit genau diesem Ziel erarbeiten die Jugendlichen in fünf unterschiedlichen Workshop-Bereichen Lösungen: „Unendliches Wachstum in einer endlichen Welt", "Gebrauchen, ohne aufzubrauchen" und auch die "Zukunftsweisende Stadtentwickelung" sind nur drei der bearbeiteten Themenbereiche. Gemeinsam werden alltagstaugliche Konzepte entwickelt und gleichermaßen bereits bestehende Best-Practice-Modelle unterstützt und fortentwickelt.

„Die Jugend macht Druck, und das ist gut so.“, so Bischof Gothart Magaard, Schirmherr der Jugendklimakonferenz der Nordkirche nicht ohne Stolz zur Begrüßung der 120 zwischen 15- und 27-jährigen Teilnehmer*innen des heutigen Klimatalks. „Die Nordkirche bietet als einzige Gliedkirche in Deutschland ein eigenes Klimagesetz, das von der Beschaffung, über die Mobilität bis hin zu den Klimabeauftragten in den Kirchenkreisen strenge Voraussetzungen für die Bewahrung der Schöpfung garantiert. Die Förderung von jungen Multiplikatoren ist wichtiger Bestandteil dieser ganzheitlichen Strategie“, so Magaard weiter. An die Jugendlichen gewandt bedankt sich der Bischof über das außerordentlich hohe Engagement der Teilnehmer*innen. „Es bewegt sich mehr, als es im Moment den Anschein hat. Die Förderung des enormen Klima-Engagements dieser Jugendlichen ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesellschaftlich und sozial gerechten Miteinanders und unbedingt notwendig.“

In der auf Augenhöhe geführten Diskussion herrscht jedoch in einer wesentlichen Forderung Einigkeit zwischen allen Beteiligte: Sie fordern bundespolitisch eine deutlich klarere Klimasprache.

Kontakt

Henry Brach

Bildungsreferent

Jugendpfarramt in der Nordkirche

Koppelsberg 5
24306 Plön

Tel. 04522 507166

E-mail: henry.brach(at)Do not spamjupfa.nordkirche.de


Anmeldung

Jennifer Stegelmann

04522 / 507 157

jennifer.stegelmann(at)Do not spamjupfa.nordkirche.de

© 2018 Jugendpfarramt in der Nordkirche | Impressum | Datenschutz | Kontakt
Zum Seitenanfang
▼  Schnellleiste